Kurztext : filmreif

Immer wieder Alexanderplatz

 

Ich gehe unruhig über den Alexanderplatz, da geriet er auf diesem an sich schon etwas unwirklichen Platz in eine sorgsam aufgebaute Filmstraße. Straßenbahnen fuhren sinnlos hin und her, an der Ecke war ein Blumenstand eingerichtet, Komparsen standen herum. Aber der Platz ist menschenleer. Ich frage mich, ob ich es sein sollte, der jetzt bei der hübschen Verkäuferin einen schönen Blumenstrauß für die nächste Filmszene kauft. Hinter ihm verstummten ein paar Kinderstimmen, denn vom Roten Rathaus her drang ein Schimmer durch die dunklen Wolken, wurde zu einem scharfen Lichtstrahl, und es gab ein entsetzliches Geräusch, das den Himmel zu zerreißen drohte. Ich sehe am Rande des Platzes ein paar Büsche, hinter denen er sich hinwerfen wollte, um wenigstens diese sparsame Deckung zu nutzen. Da riss der Himmel über ihm auf, und ein riesiger Düsenjäger erschien statt des Mondes und entfernte sich schnell in Richtung Torstraße. Das Geräusch bricht plötzlich ab, der Lichtschein verschwindet, und ich kann aufatmen. Das ist natürlich alles nur so arrangiert, damit es möglichst echt aussieht, und irgendwo ist auch der Regisseur. Ich gehe erleichtert weiter. Die Blumenverkäuferin lächelt mir zu. Ich muss mich zwischen den sinnlos hin- und herfahrenden Straßenbahnen durchdrängeln. Die Leute stehen stumm in der Sonne und warten auf ihren Einsatz.